Vorschau: 1. FC Köln – Bayer Leverkusen

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Published on: 25. Februar 2012

Im Kölner Derby treffen heute zwei der taktisch spannendsten Trainer der Liga aufeinander. Stale Solbakken und Robin Dutt stießen in ihren neuen Klubs beide auf viele Probleme. Das direkte Aufeinandertreffen, dass die Kölner in der BayArena 4:1 für sich entschieden, markierte dabei den bisherigen Höhepunkt in Kölns Entwicklung und gleichzeitig den Tiefpunkt für Bayer. Wie kann Leverkusen die Revanche gelingen?

  • Punkt 1: Flügelspiel, Kopfbälle und Standards

Teil von Solbakkens Defensivsystem ist, die Flügel offen zu lassen. Die gegnerischen Flügelspieler werden nicht gedoppelt und haben daher die Freiheit zu flanken oder ins direkte Dribbling zu gehen. Das sollte Leverkusen ausnutzen. Gerade mit Kießling haben sie einen guten Abnehmer für Flanken. Auch können sie auf diese Weise Standardsituationen erzwingen, die zuletzt eine große Stärke waren.

  • Punkt 2: Geduldiger Aufbau und hohe Steilpässe

Die Räume zwischen den beiden Viererketten sind vertikal wie horizontal extrem eng. Köln spekuliert darauf, Pässe in diese Bereiche abzufangen oder in der Enge den Ball zu erobern. Deshalb muss Leverkusen anders aufbauen als im Hinspiel, wo sie versuchten durch die extrem enge Mitte zu kombinieren und sich in den kaum vorhandenen Zwischenräumen freiliefen. Der Spielaufbau muss sehr geduldig aus der letzten Reihe heraus erfolgen und dann extrem schnell in einem Zug von hinten nach vorne durchgespielt werden. Ein erfolgsversprechendes Mittel gegen Kölns oft hochstehende Abwehr sind dabei lange Bälle von den Innenverteidigern oder tiefen Sechsern hinter die Linie, wenn die Verteidiger herausrücken. Allerdings fehlt bei Leverkusen ein Spieler, der diese Bälle besonders gut spielen kann. Wichtig ist daher auch, dass die Bälle nie ohne Absicherung vorne hineingespielt werden.

  • Punkt 3: Gegenpressing

Wenn dies nämlich passiert, kontert Köln sehr schnell. Deshalb müssen die Mittelfeldspieler und Außenverteidiger sehr aufmerksam sein, im offensiven Positionsspiel defensiv denken und mögliche Ballverluste früh antizipieren um Konter direkt im Gegenpressing zu ersticken. Daher sollte die zuletzt konteranfällige Leverkusener Defensive auch möglichst mit schnellen Spielern besetzt sein, weshalb wohl Toprak wieder den Vorzug vor dem erfahreneren Manuel Friedrich erhalten wird. Wichtig wird aber auch werden, dass eben jener Toprak nicht die individuellen Fehler aus dem Hinspiel wiederholt. Dort wurden Kölns Tore auch durch extreme Inkonsequenz der Leverkusener Verteidiger erleichtert und nur so reichten die sehr wenigen Strafraumsituationen zu 4 Treffern.

Hypothetische Startformationen bei Köln gegen Leverkusen.

Hypothetische Startformationen.

Konsequente Asymmetrie?

Dadurch, dass Köln kaum zum Flügel verschiebt, könnte es ein wertvolles Konzept sein asymmetrisch anzutreten und nur einen Flügel zu besetzen. Man brauch keine Breite auf beiden Flügeln, da sich Kölns Formation nicht breitziehen lässt und Flankenwechsel kaum Raumgewinn bringen.

Daher wäre eine denkbare Möglichkeit, sich extrem auf einen Flügel zu fokussieren. Auch wegen Leverkusens ungleichmäßigen Offensivoptionen ergäbe dies Sinn: Mit Schürrle hat man nur einen richtig schnellen Dribbler, auf den man das Spiel fokussieren sollte. Der zweite technisch starke Spieler Augusto könnte in einer Asymmetrie zu ihm hinrücken um seine Optionen zu erhöhen. Gemeinsam könnten sie Eichner in Kölns Abwehr isolieren und schnell zur Grundlinie durchstoßen.

Auf der anderen Seite könnte Bender die Asymmetrie ausgleichen, der schon in Dortmund auf dem linken Flügel agierte. Er könnte hier bei Ballbesitz auf rechts in den Strafraum vorstoßen und für zusätzliche Kopfballgefahr sorgen. Defensiv wird seine enorme Laufstärke wichtig um die numerische Unterlegenheit auf seiner Seite zu kompensieren oder auszubremsen. Gegen die meist defensiv bleibenden Außenverteidiger Kölns kann er durch Rückarbeit die Defensivformation situativ zu einer 4-3-Grundordnung verändern um trotz eventuellen Defensivmängeln von Augusto und Schürrle stabil zu bleiben.

Castro wäre als spritziger Spieler ein guter Abfangjäger hinter dem spielenden Duo auf rechts und könnte situativ ebenfalls den rechten Flügel unterstützen und eventuell aus dem Halbfeld flanken. Rolfes wäre Ruhepol des Spielaufbaus vor den Innenverteidigern, der Bälle auf die Flügel verteilt und eventuell den langen Ball diagonal zu Schürrle spielen kann. Vereinzelt könnte er unerwartet vorstoßen und Bender absichern lassen.

Fazit

Man darf ohne Zweifel ein Spiel erwarten, in dem die Kölner meist abwartend agieren und hauptsächlich über Konter attackieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es spielentscheidend werden, ob Dutt geeignete Mittel dagegen findet. Zuletzt war er mit konkreten taktischen Maßnahmen oft zielsicher, wobei die Ergebnisse gegen starke Dortmunder und Katalanen dennoch ausblieben. In Köln wird das Ergebnis im Normalfall ein tauglicher Messwert für die Trainerleistung sein. Ebenfalls spannend könnte Solbakkens Reaktion werden, falls Dutts taktische Trickkiste eine funktionierende Strategie hervorbringt. Bisher tat sich der Norweger kaum durch schnelle und effektive taktische Anpassungen während des Spiels hervor. Das Derby und das Abrutschen auf den 14. Platz wären passende Rahmenbedingungen um damit anzufangen.

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